Impuls der Woche

Der christliche Kurztext für Sie

Vaterunser III – Dein Reich komme

Bibeltext: Das Evangelium nach Matthäus Kapitel 6, Vers 10

Nach Anrede und Verehrung wird es konkret. Beinahe könnte man die vorangegangenen Sätze des Gebetes als Höflichkeitsformel abtun. Natürlich würde dies der theologischen Bedeutung nicht gerecht. Doch jetzt beginnt ein Abschnitt, dessen Auslegung weitreichende Folgen hat. „Dein Reich komme“ kann sowohl politisch als auch rein religiös benutzt werden. Je nach Interpretation steckt in diesem Satz der Aufruf zur Veränderung der Gesellschaft oder der Aufruf zur Weltflucht. Eben  Gottes Reich in einer nur irdischen Version gegenüber einer rein himmlischen Version. Schwarz oder weiß. Ist eine solche Trennung angebracht?

Sicher wäre es falsch zu sagen, die vielen Farben zwischen schwarz und weiß seien vollkommen unbekannt. Doch im Alltagsglauben der Christen geht der sensible Umgang mit der „Dein Reich komme“ – Bitte weigehend unter.

Zunächst ein Blick auf Jesus. Eine Weltentfremdung und gar eine Todessehnsucht lassen sich nicht aus der Überlieferung der Evangelien herauslesen. Er zog sich nicht aus dem Leben in die Einsiedelei zurück. Wäre ihm das irdische Dasein egal gewesen, gäbe es die Erweckungs- und Heilungsgeschichten der Evangelien wohl kaum. Das Leben ist keine Prüfungszeit zum erreichen himmlischer Renditeversprechen. Jesus sieht die Schicksale der Menschen zwar als von Gott zugelassen, aber nicht als unveränderbar an.

Aus meiner Sicht macht Jesus diese Trennung von schwarz und weiß nicht. Vielmehr gibt es in seiner Lehre einen roten Faden, den es immer neu zu entdecken gilt. Der Faden bildet die Verbindung zwischen irdischem und himmlischem Leben. Als Jesus einmal von den Pharisäern gefragt wurde „Wann kommt das Reich Gottes?“, antwortete er: Das Reich Gottes kommt nicht, so dass man’s beobachten kann, man wird nicht sagen: Siehe, hier ist es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes ist mitten unter euch (Lukas 17, 20 – 21).

Welche Bedeutung hat die Aussage Jesu? Ist das Reich Gottes schlüsselfertig vorhanden und nur der Mensch ist zu blind, es zu sehen und zu finden?

Nein, so einfach ist die Sache nicht. Jesus sagt damit nur, das göttliche Reich ist nicht politisch. Es wird im Vorfeld keine Revolution gegen die römische Besatzungsmacht geben.

Wie schon im Abschnitt zu dem Satz „Dein Name werde geheiligt“ ausgeführt wurde, ist auch in „Dein Reich komme“ ein Echo enthalten.  Es geht also wieder um aktives Mitgestalten der Bitte. Das oben erwähnte „… das Reich Gottes ist mitten unter euch“, ist hier wichtig. Gott möchte, dass der Mensch sein Leben gestaltet.

In meinem Impuls „Besinnung auf den Heiligen Geist“, habe ich geschrieben: Wenn wir Gott als Schöpfer unserer Welt sehen, dann hat der göttliche Geist den Menschen im Laufe der Zeit soweit entwickelt,  dass der Mensch eigene Entscheidungen treffen kann und Werte für ein geordnetes Zusammenleben entwickeln konnte.

Diese Fähigkeit des Menschen sehe ich als Funken göttlichen Geistes, der in jedem Menschen verankert ist […].

Darin sehe ich den roten Faden der Lehre Jesu. Jetzt anfangen, das Reich Gottes zu gestalten, denn warum sollte Gott uns den Himmel anvertrauen, wenn wir noch nicht einmal in der Lage sind, die Erde zu bewahren, die ja auch Gottes Schöpfung ist?

Ihr Matthias Möller

Dieser Blog verwendet den Linkservice von die-bibel.de.

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